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Die Perfektion des Unvollkommenen

Das Bild zeigt einen Silber-Ring, dessen Ringkopf offen ist und der eine gebrannte Oberfläche hat. Er ird von zwei gehämmerten Goldringen mit polierter Oberfläche zusammengehalten. Der Hintergrund zeigt eine unebene anthrazitfarbene Fläche mit leuchtenden Farbakzenten in Orange.

Un┃voll┃kom┃men
So steht es im Duden.
Weiter steht dort:
Bedeutungen (2)
1. mit Schwächen, Fehlern oder Mängeln behaftet
Beispiel: „der Mensch ist unvollkommen“
2. unvollständig
Beispiel: „eine unvollkommene Darstellung“

Daraus lese ich: Etwas kommt nicht im Vollem. Es ist unregelmäßig, fragmenthaft oder gar defekt. Immerhin ist es unfertig, worin die Chance der Transformation liegt. Denn oft ist erst mit der Zerstörung des Alten das Neue möglich.

Diese Zerstörung erfahren wir im Leben häufiger. Manchmal sind wir selbst die Zerstörenden, manchmal ist ein unplanmäßiger, äußerer Faktor der Grund. Wir müssen dann umdenken, umlenken, kreativ und erfinderisch sein. Genau hierin liegt die Chance! Das ist es, was mich fasziniert. Das möchte ich in meinem Schmuck verarbeiten.

Gerade Edelmetall eignet sich perfekt, um immer wieder zerstört, eingeschmolzen und in eine neue Form gebracht zu werden. Seit Menschengedenken arbeiten wir Gold um, lassen kein micron verkommen, recyclen jedes my.

Was bedeutet das für meinen Schmuck konkret? Es bedeutet, dass mein Schmuck sich immer in einem Entwicklungs-Prozess befinden wird. Die ausgestellten Schmuckstücke bearbeite ich stets weiter. Sie befinden sich in einer Art lebendigem Reifungsprozess, einer andauernden Transformation. Dabei gehe ich intuitiv vor. Meine Schmuckstücke können immer wieder einen plötzlichen Gestaltungswandel erfahren. Es lohnt sich, ein Schmuckstück dabei zu beobachten, wie es sich weiterentwickelt.

Für mich symbolisiert der Umwandlungs-Vorgang das Leben an sich. Dinge im Leben, die wir fertig glaubten, müssen oftmals neu gedacht werden. Soziale Beziehungen, Umwelt, Technik, Arbeitsplatz, Gesundheit – immer wieder stehen wir vor plötzlichen Umwälzungen.

Diese Erfahrung habe ich am drastischten 2017 durch die Diagnose einer chronischen Erkrankung gemacht. Diese habe ich mittlerweile sehr gut im Griff. Eine Zeit lang war das jedoch genau anders herum, da hatte die Diagnose mich im Griff. Sie zerstörte meinen Lebensentwurf, durchkreutzte meine Zukunftspläne. Doch ich habe neue Erfahrungen gemacht, Dinge dazugelernt, andere Perspektiven gesehen und unersetzliche Freunde gefunden. Ich bin daraus stärker und selbstbewusster hervorgegangen als vorher, vor allem aber auch dankbar. Doch Narben sind manchmal unvermeidbar, sie erzählen Geschichten. Meine Schmuckstücke können auch Narben haben, in Form von Unregelmäßigkeiten und Brüchen. Ich finde diese scheinbaren Fehler unwiderstehlich, wie das Leben selbst. Was wäre Evolution ohne Mutation, Fortschritt ohne Fehler?

Mein Schmuck soll empowern und Mut machen alte Muster umzudenken, die Schönheit des Unvollkommenen als Gestaltungsmöglichkeit zu entdecken.

Im Shop können die Schmuckstücke erworben werden. Mit dem Verkauf ist der Gestaltungsprozess durch mich als Designerin beendet. An dieser Stelle tritt die Gestaltungskraft in die Interaktion mit dem Menschen, der das Schmuckstück kauft. Dieser Mensch bestimmt den Abschluss des Entwicklungsvorgangs endgültig. Ich bestimme somit nicht allein, wann ein Schmuckstück in seiner Gestalt vollendet ist. Es ist ein gemeinsamer Prozess, so wie ein Leben immer von anderen Leben beeinflusst wird.

 

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